Scrum oder Kanban - was funktioniert wie?

Die beiden Projektmethoden setzen sich seit Jahren durch. Für das agile Steuern von Entwicklungs- und Veränderungsprojekten in allen Feldern, nicht nur der Softwareentwicklung.

Scrum ist die komplexere Option. Es legt Rollen fest, formalisiert das Anforderungsmanagement und sorgt für produktive Teamarbeit.

Kanban ist einfach und vielseitig. Es fokussiert Einzelne oder Teams – weg von der Verzettelung und hin zum Liefern von Ergebnissen. Bei seiner Einführung gibt es kaum Hürden oder Widerstände. Und weitere agile Praktiken lassen sich nach und nach daran andocken.

Scrum - Produktivität und Projektergebnis agil steuern

Scrum ist die Methode der Wahl bei innovativen Projekten. Neben der Produktentwicklung spielt Scrum eine wichtige Rolle bei der Entwicklung von

  • Dienstleistungen,
  • Vertriebs- oder Marketingprogrammen,
  • strategischen Konzepten in Wirtschaft, Verwaltung oder Politik und
  • Organisationsentwicklungsprogrammen.

Diese Scrum-Praktiken machen den agilen Unterschied

  • Ein Product Owner erhebt, formuliert und priorisiert die Anforderungen der internen und externen Projektkunden. Nicht nur zu Projektbeginn, sondern fortlaufend.
  • Kompakte Teams (3 bis 7 Mitglieder) setzen Anforderungen in Sprints, das sind Zeitabschnitte von 1 bis 4 Wochen, um.
  • Die Ergebnisse der einzelnen Sprints werden demonstriert, akzeptiert oder in einem folgenden Sprint verbessert.
  • Das Team setzt die Anforderungen (User Stories, Stories) in Aufgaben um. Deren Erledigung organisiert und überwacht es selbst. Dabei helfen ihm Regeln, Werkzeuge und das Scrum-Board.
  • Der Product Owner nutzt neue Erkenntnisse und Ideen, um zum Endtermin für die Projektkunden das bestmögliche Ergebnis zu liefern.
  • Das agile Team sucht nach jedem Sprint Wege, die Produktivität im folgenden Sprint zu steigern.

Was ist ein Sprint, eine User Story? Was macht ein Product Owner? Die 50 wichtigsten Begriffe, die Sie kennen sollten – als PDF zum Herunterladen.

Kanban - der einfache Einstieg in agiles PM

"We simply have too much going on!"

Oft gehörtes Seufzen

Kanban Projektmanagement hat drei wichtige Merkmale:

  • Teams und Teammitglieder minimieren unproduktives Springen zwischen zu vielen Aufgaben oder Themen. Sie stellen eine Sache fertig, bevor eine andere begonnen wird. 
  • Der Fluss der Aufgaben vom Beginn bis zu ihrem Abschluss wird auf dem Kanban-Board visualisiert. Das hilft dem Team, produktiver miteinander zu kommunizieren und die Aufgabenerledigung zu koordinieren. 
  • Drittens wird die „echte“ Produktivität über eine einfache aber zentrale Kennzahl laufend gemessen und gesteigert, nämlich die „mittlere Durchlaufzeit“. Wie lange es dauert, die Dinge, die begonnen wurden, abzuschließen.

Dasselbe Prinzip für Fertigung und Projektmanagement

Viele Unternehmen haben ihre Durchlaufzeiten in der Fertigung dank Kanban drastisch verkürzt. Gleichzeitig wissen sie nicht, dass sie genauso auch die Durchlaufzeit  von Projektaufgaben verkürzen können. Und nicht nur die Durchlaufzeit von Projektaufgaben, sondern auch die von ganzen Projekten.

Den Bestand an begonnen Aufgaben und Projekten zu deckeln, ist ebenso produktiv, wie den Bestand an Teilen in der Fertigung zu begrenzen.

Der wichtigste Unterschied zwischen Scrum- und Kanban-Board

Wenn Sie möchten, schauen Sie sich die zwei Taskboards auf dieser Seite etwas genauer an. Sie sehen, dass auf dem Kanban-Board in der WiP- (= Work-in-Progress) Spalte im Titel eine Zahl in einer Klammer steht.

Diese Zahl ist die Obergrenze für die Anzahl offener Aufgaben. Also von Aufgaben, die begonnen aber noch nicht abgeschlossen sind. Eine neue Aufgabe darf erst angefangen werden, wenn eine angefangene fertig ist und nach rechts gezogen wurde.

Übrigens gibt es, als Alternative zu den physischen Scrum- und Kanban-Boards, auch diverse Softwarelösungen. Besonders praktisch, wenn das Team über mehrere Standorte verteilt ist.

Kanban ist ein Produktivitätsprinzip und gleichzeitig ein Werkzeug. Es kann mit fast allen agilen Praktiken kombiniert werden.

Sprints in Scrum-Projekten

Arbeiten in Sprints bedeutet, dass die Projektarbeit in Takten, Zeitabschnitten konstanter Länge, erledigt wird. Taktgebundenes Arbeiten kann große Vorteile haben. Der wichtigste davon ist die nachhaltige Produktivität. 

In jedem Sprint arbeitet das agile Team ein relativ konstantes Aufgabenvolumen ab. Es kennt die Länge der Takte – und es kennt (und steuert) das Volumen der anstehenden Arbeit. Es hat in vorherigen Sprints erfahren, dass es die Arbeit in dem Takt schafft, und zwar ohne sich dabei zu erschöpfen – also nachhaltig. 

Bis zur nächsten Ergebnis-Demonstration durch das Team sind es immer nur Tage oder wenige Wochen. Nicht Monate, wie bei vielen industriellen Projekten. 

Konstantes Fließen der Aufgaben in Kanban

Mit Kanban-Projektsteuerung erreichen Projektteams ebenfalls nachhaltige Produktivität. Allerdings nicht durch taktgebundenes Arbeiten, sondern durch das Vermeiden des größten Produktivitätskillers in modernen Organisationen und Projekten: der Verzettelung. 

Es werden zu viele Aufgaben begonnen, die Arbeit an jeder vielfach unterbrochen – und zu wenig, zu spät wird fertiggestellt.

Kanban ist ein Flow-System: Ziel ist ein gleichmäßiger Fluss der Fließelemente (Autos, Chips-Tüten, Aufgaben, Projekte) über Arbeitsstationen (Anlagen, Teams) bei minimaler Durchlaufzeit.

Im Prinzip (und auch in der Praxis) kann ein Projektteam das Projekt mit Kanban steuern und nacheinander sämtliche Scrum-Praktiken ergänzen. Ausser Sprints!  Denn mit der Umstellung von Flow (Kanban) auf Taktung (Scrum) wäre es bei Scrum angekommen.

Mischformen aus Scrum und Kanban

Die meisten Menschen verstehen unter „hybridem Projektmanagement“ Mischformen aus agilem und planungsorientiertem Werkzeugen und Prinzipien. Ebenso wichtig ist zu verstehen, dass Kombinationen, Hybride von Scrum und Kanban (und traditionellem PM) sehr gut funktionieren können.

"Stop Starting - Start Finishing!"

Kanban Mantra

Das kann Sie weiter bringen ...

Seit 15 Jahren profitieren unsere Kunden von unserer Praxis-Kompetenz. Projektteams erlernen die Anwendung von Scrum, Kanban und hybridem Projektmanagement. Und zwar so, dass sie sich auf ihr erstes agiles Projekt freuen.

Bei welcher Art von Projekten sind agile Methoden den traditionellen überlegen? Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein? Und wie führt man Agile sinnvoll ein? Genau darum geht es im Agile-Entscheiderworkshop.

Agiles Projektmanagement ist mächtig – aber kein Selbstläufer. Oft brauchen Projektteams bei ihren ersten agilen Projekten Unterstützung. Sonst heißt es womöglich nach einigen Wochen: “Bei uns funktioniert das nicht!”